Zuckeralkohole
die süß
aber keine Zucker sind sind, werden auch den
Kohlenhydraten zugeordnet. Ich beschränke mich hier auf
drei, die als sogenannte Zuckeraustauschstoffe häufigen Einsatz finden.
Sorbit ist wohl der bekannteste von
allen, weil er als billigster Z. schon so manchen
Diabetiker mit Blähungen gepeinigt hat. Sorbit hat nämlich
die Eigenheit, teilweise unverdaut in den Darm zu
gelangen, wo er dann viel Wasser an sich zieht und für wässrigen
Durchfall sorgt - sogar bei relativ kleinen Mengen. Ein
Stück Diabetiker-Kuchen" kann schon
ausreichen. Außerdem ist Sorbit deutlich weniger süß
als Saccharose und wird deshalb fast ausschließlich in
Kombination mit einem Süßstoff angeboten. Auf der Zunge
erzeugt er ein kaltes Gefühl, weil er viel Lösungsenergie
benötigt und daher der Umgebung Wärme entzieht. Somit
entsteht insgesamt ein Geschmacksprofil, das
Feinschmeckern das Fürchten lehrt und Sorbit (was das Süßen
angeht) nahezu unbrauchbar macht. Ausnahme: Eiskonfekt.
In der Natur kommt Sorbit vor allem in Früchten vor.
Darin begründet sich auch die laxierende Wirkung der
Pflaumen. Besonders hoch ist der Gehalt in den Beeren der
Eberesche. Bis zu 12% der Gesamtmasse der im Volksmund
auch als Vogelbeeren bezeichneten Früchte bestehen aus Sorbit. Vom lateinischen Namen des Vogelbeerbaumes,
Sorbus,
leitet sich die Bezeichnung dieses sechswertigen Alkohols ab, der dafür sorgt,
dass die verschluckten
Kerne schnell und unverdaut den Darmtrakt unserer "gefiederten
Freunde" verlassen.
Auch Xylit ist ein häufig in der Natur vorkommender
Stoff. Nicht nur in der Flora, sondern auch im Körper
von Mensch und Tier wird er als Stoffwechselprodukt
gebildet. Süßkraft und Geschmackprofil sind der
Saccharose sehr ähnlich. An seine laxierenden
Eigenschaften scheint sich der Körper, besser gesagt die
Darmflora, gewöhnen zu können. Xylit ist sehr teuer und
nur in speziellen Läden und Apotheken erhältlich.
Einige Kaugummis enthalten ihn wegen seiner Wirkung gegen
Karies. Auch der Xylit findet wegen seinem Bedarf an Lösungswärme
Einsatz in Eiskonfekt.
Isomalt, der seit Anfang der 90er Jahre in der "Diätszene"
starken Einzug gefunden hat, ist ein künstlicher
Zuckeralkohol. Er kommt in dieser Form in der Natur nicht
vor. Der diätetische Anspruch soll sich darauf begründen, dass der Verdauungsprozess so lange andauert, bis etwa 25-50%
nicht mehr aufgenommen werden können. Der Mensch hat
wieder etwas erfunden, um sich selbst zu anzuführen, jedenfalls zu
einem gewissen Prozentsatz.
Zudem ist auch Isomalt aus diabetologischer Sicht überflüssig. Die
Deutsche Diabetes-Gesellschaft bekräftigt 1999 ihr Statement
von 1994, wonach die Verwendung von kalorienhaltigen
Zuckeraustauschstoffen nicht gefördert werden soll.
> Das Schokoladenbeispiel
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Süßstoffe
Sie schmecken
süß, weil sie mit Zuckern oder Zuckeralkoholen bildlich
gesprochen eine Gemeinsamkeit haben: Sie passen wie ein
Nachschlüssel in das Schloss der Geschmacksnerven. Der
schwere Schlüsselanhänger Kohlenhydrat (die Substanz)
fehlt jedoch. Deshalb besitzen sie auch eine Süßkraft,
welche die der Saccharose bis zu 500mal (Saccharin) übertreffen
kann. Leider hat der Schlüsseldienst nicht sauber
gearbeitet, weshalb das Schloss ein wenig hakelt. Das
Geschmacksprofil stimmt nämlich nicht ganz mit dem der
Saccharose überein, und ein unangenehmer Nachgeschmack
kann ebenso auftreten. Dies ist auch noch davon abhängig,
welches Lebensmittel mit welchem Süßstoff versehen wird.
Auch schmeckt nicht für jeden Menschen jeder Süßstoff
gleich süß. Um die geschmacklichen Nebenwirkungen zu
verteilen und den verschiedenen Ansprüchen zu genügen,
werden Süßstoffe häufig kombiniert. Im Handel erhältlich
sind Saccharin, Clyclamat, Acesulfam und Aspartam. Bei
letzterem gilt es zu beachten, daß er Aminosäuren enthält
und daher nicht hitzestabil ist. Zum Kochen und Backen
ist er also ungeeignet.
Nun stellt sich die Frage, weshalb Pflanzen ihre
Kohlenhydrate nicht für sich selbst verwenden und zur Überlistung
Süßstoffe in den Früchten bilden. Ich vermute, die
Tiere würden es schnell merken. Nur der moderne"
Mensch ist in der Lage, sich auch noch selbst anzuführen.
Wenn ich eine Diät-Cola trinke, gefällt mir das sogar.
Schlußbemerkung
Noch vor
wenigen Jahren habe ich mit allen möglichen süßen
Zutaten experimentiert und orientierte mich dabei an den
Anleitungen der Hobbythek. Das hat im höchsten Maße meinen
Spieltrieb befriedigt und war sehr lehrreich*. Nur: Immer
dann, wenn Zuckeralkohole und Süßstoffe mitspielten,
wollte keine rechte Freude aufkommen. Mittlerweile kaufe
ich wieder fertige Produkte mit normalem Zucker, selten
auch mit Fruchtzucker (bei sogenannten Diätkonfitüren
gibt es eine interessantere Auswahl). In der Küche wähle
ich nach belieben und notwendigen Eigenschaften zwischen
diesen beiden aus. Fruchtzucker eignet sich z.B.
hervorragend, um Salatdressings abzuschmecken, weil er
sich schnell auflöst. In Mengen, die man (vielleicht)
berechnen müsste, brauche ich ihn nicht. Süßstoffe
sind beim Kochen und Backen tabu, im Tee und in Limonaden
möchte ich darauf allerdings nicht verzichten.
*Meine Hochachtung
gilt Jean Pütz, dessen Hobbythek wir noch manch anderes lehrreiches Stück
und vor allem den hervorragenden Waschmittelbaukasten zu
verdanken haben.
Literatur
- Jean Pütz, Christine
Niklas: Süßigkeiten mit und ohne Zucker. Köln
1989
- Jean Pütz, Sabine
Fricke, Dr. Thomas Eberbach: Das Hobbythek-Diätbuch. Schlank und
gesund durch richtige Ernährung. Köln 1991. 2.
korrigierte Auflage 1992
- Udo Pollmer et al.:
Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung. Köln
1989
- Diabetes Aktuell
- sowie meine uralten
zerfledderten SCHÜLER DUDEN "Die Biologie"
und "Die Chemie"
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